Geschichte

der Berliner Vororte

 

Buch und Karow

von
Martin PFANNSCHMIDT
Pfarrer von Buch-Karow

Motto: „In Büchern liegt Seele aller gewesenen Zeit.“
Thomas CARLYLE.

Der Welten Kleines auch ist wunderbar und groß,
Und aus dem Kleinen sich die Welten.

 

Vorwort.

      Seit ich das Buch-Karower Pfarramt verwalte, sehe ich mich genötigt, nach der Geschichte meiner Gemeinde mich umzusehen.
Ihre Baudenkmäler, die es zu erhalten oder doch schonend neuzeitlichen Verhältnissen anzupassen gilt, weisen weit zurück in die Vergangenheit. Gerechtsame und Vermögenstitel in Kirche und Schule werden nur verständlich und können erhalten oder für gerechte Auseinandersetzung genutzt werden, wenn man ihrer Herkunft und Geschichte kennt. Unkenntnis hat hier schon viel Schaden angerichtet. Das Gleiche gilt von Herkommen, Sitten und Gebräuchen, die der Fremdling belächelt und nicht achtet, und doch mahnt die Geschichte: „Verdirb es nicht, es ist ein Segen darin!“
      Die Freizügigkeit birgt die Gefahr der Entwurzelung eines Volkes in sich, den Verlust des Heimatgefühls und schließlich die Verkümmerung der Vaterlandsliebe. Diese Gefahr ist besonders groß in Vorortgemeinden einer Großstadt, so auch in den meinigen, die nun mit Groß-Berlin im Bezirk IX (Pankow) [A.d.R. Bezirk XIX] verbunden sind.
      Familie, Gemeinde, Landschaft oder Gau bleiben für Staat, Kirche und Volk die Urzellen alles Gemeinschaftslebens. Ihre Geschichte zu ergründen uns liebevoll im Gedächtnis zu bewahren, ist ein wichtiges Mittel diese Urzellen lebensfähig und gesund zu erhalten, damit nicht verflachendes, eintöniges, ödes Einerlei die bunte Mannigfaltigkeit des Lebens verdrängt, die Herz und Auge erfreut, den Geist anregt, das Gemütsleben bereichert und so die Freude am Leben in der engeren Heimat zum Heil für das größere Vaterland immer wieder neu erweckt.
      In unserer Zeit, die geschichtslos zu werden droht, gewinnt daher mit Recht bei allen Geschichtsfreunden die Heimatkunde eine große Bedeutung, die sich auch im Lehrplan der Schulen auswirken muß. Darum müßte jede Ortsgemeinde ihre Ortsgeschichte haben, aber nicht bloß eine Chronik alten Stiles, die an sich wichtige Einzelheiten aufführt, sondern eine Geschichte, welche die Einzelbegebenheiten und -zustände in ihrem Zusammenhanh mit der Entwicklung des Gaues und Vaterlandes darstellt.
      Wenn oft darüber Klage geführt wird, daß uns eine durchgearbeitete und übersichtliche Darstellung der märkischen Geschichte noch fehlt, so kann für eine solche durch Ortsgeschichten eine bedeutsame Vorarbeit geleistet werden.
      In diesem Sinne war ich bestrebt, eine Geschichte meiner Gemeinden Buch und Karow auf Grund jahrelanger Nachforschungen zustande zu bringen. Ich bin mir darüber klar, daß noch manche Lücken und Fragen offen geblieben sind. Doch sollte nicht das bisher Geleistete wie so manche Arbeit Erforscher der Heimt mit der leicht verlierbaren Handschrift nutzlos einst verwehen und vergehen, so mußte ein vorläufiger Abschluß gewagt werden. Dankbar wird der Verfasser für jede Ergänzung und Berichtigung sein, wie er dankbar ist für alle bisherigen Fingerzeige und Förderungen, die er von hervorragenden Sachkennern erfahren, so von den Herren Friedrich v. OPPELN-BRONIKOWSKI, Dr. A. KIEKEBUSCH vom Märkischen Museum, Dr. KÄBER vom Stadtarchiv und Dr. Hermann PETERSDORFF vom Geh. Staatsarchiv.
      Wenn ich an mehreren wichtigen Stellen Fontane berichtigen muß, z. B. in der Frage nach Melanchtons angeblichem Aufenthalt in Buch, in der Beurteilung des Staatsministers A. O. v. VIERECK, in der Darstellung des Falles der „Julie“ v. VOß, so soll dadurch in keiner Weise die große Bedeutung dieses treuen märkischen Wanderers für die Förderung der Heimatgeschichte verkürzt werden.
      Ich selbst habe als Berliner Gymnasiast, da es noch keine „Wandervögel“ und „Pfadfinder“ gab, an der Hand der „Wanderungen“ Fontanes, unsere schöne Mark nach allen Richtungen durchstreift und verdanke ihnen, daß ich gelernt habe, Natur und Kultur unserer noch nicht genügend gewürdigten, engeren Heimat geschichtlich anzuschauen. Auf solchen Ausflügen bin ich auch, schon in den siebziger Jahren, etliche Male in die Bucher Kirche, ins Bucher Pfarrhaus und in den Bucher Wald gekommen.
      Fontane, der die ganze Mark sich zum Arbeitsfelde erkoren, fand kaum quellenmäßige Darstellungen der Ortsgeschichte vor, und daher mußte er sich in vielen mit dem begnügen, was man auf Grund mündlicher Ãœberlieferung zu wissen meinte. Dieser Umstand schmälert in keiner Weise Fontanes Verdienst, daß er für die märkische Heimatskunde Grundlegendes und in Einzeldarstellung als Dichter Unübertroffenes geleistet hat.
      Indem ich mich ihm in gleicher Heimatliebe verbunden fühle, übergebe ich meine Geschichte von Buch und Karow allen Heimatfreunden, insonderheit meinen lieben Gemeinden Buch und Karow mit Fontanes Worten, die dem Archibald DOUGLAS gelten:

„Der ist in tiefster Seele treu,
Wer die Heimat so liebt wie Du.“

Berlin-Buch, im Christmonat 1927.

Martin PFANNSCHMIDT.

 

Quelle: Q11


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