N° 15  das Küsterhaus

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Küsterhaus “Alte Dorfschule”,
erbaut 1881,
Aufbau des Obergeschoss 1907
(Abb. 1501)

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In der ursprünglichen Form wurde das Küsterhaus ohne Obergeschoß erbaut.
(Abb. 1503, von 1881-1907 ohne Obergeschoß)

um 1598 zu Dorfstr. 13 A
bis 1926 Dorfstr. 8

Seit 2009 beherbergt das restaurierte Küsterhaus eine Tischlerei sowie Wohneinheiten.

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(Abb. 1502 Aufnahme von 2006)

Folgender Abschnitt ist ein Auszug vom Kapitel XV aus dem Buch “Geschichte der Berliner Vororte Buch und Karow”
von Martin PFANNSCHMIDT, Pfarrer von Buch-Karow (Berlin 1927)

Die Schulen von Buch und Karow.

      Rom ist nicht an einem Tage erbaut. Gut Ding will Weile haben. Auch unsere preußische Volksschule und mit ihr unsere Dorfschulen haben einen weiten Weg zurücklegen müssen bis heute – von den Tagen der Reformation an, da LUTHER 1524 An die Bürgermeister und Ratsherren aller Städte Deutschlands“ den Aufruf richtete, daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“.
      Die ersten Anfänge unserer Schulen haben wir bereits früher in Abschnitt VII erwähnt und dort davor gewarnt, daß man die kleinen Anfänge mit dem Maßstabe der Gegenwart mißt und dem Kinde den Vorwurf macht, daß es noch kein Mann ist. Man hat damals getan, was man konnte. Man hat den Grund gelegt, auf dem Jahrhunderte weiter bauen konnten, indem man das in der Gegenwart Erreichbare mit allem Ernst und nüchternem Wirklichkeitssinn durchführte und die Entwicklungsmöglichkeit nicht aus dem Auge verlor zu dem höchsten Ziele, das LUTHER der Volksschule gesteckt: daß das junge Volk in Gottes Erkenntnis aufwachse und Gottes Wort ausbreite und andere lehre“.
      Naturgemäß galt es zuerst, das städtische Schulwesen im Geiste der Reformation auszubauen. Aber auch auf dem Lande durften die Bemühungen um die Volksbildung vor den größeren Schwierigkeiten nicht zurückschrecken.
      In den Dörfern knüpfte man an Vorhandenes an, an das Amt des Küsters oder Messners, der die nötige Handreichung bei der Messe leistete, für Reinigung, Geläut und Turmuhr sorgte. Da nicht mehr täglich die Früh- und Abendmesse zu bedienen war, lag es nahe, dem Messner, den hauptsächlich das Handwerk ernährte, an etlichen Tagen für wenige Stunden die Jugend zur Christenlehre und zur notwendigen Unterweisung im Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen nach Anleitung und unter Aufsicht des Pfarrers anzuvertrauen.
      Aus dem Küster und Handwerker, der, wo nicht ein anderer Raum zur Verfügung stand, in seinem Hause oder in der Kirche die Kinder um sich sammelte, ist allmählich ein Schulmeister geworden, der nicht selten seine Vorbildung der väterlichen Schule oder dem Ortspfarrer verdankte. Endlich wurden auch Küsterhäuser errichtet, nachdem wiederholt bei Kirchenvisitationen wie in Buch 1541 und 1600 erinnert war: Hat kein Küsterhäuslein.“ (S. 62)
      Neue Lehrfächer: Naturkunde und Geschichte, erweiterten den Aufgabenkreis. Der Staat der Reformation sorgte in enger Fühlung mit der Kirche für Lehrerbildungsanstalten. Prediger HECKER von Dreifaltigkeit in Berlin begründete 1748 das erste Seminar. Die evangelische Kirchenschule wurde zur Staatsschule, die als evangelische Staatsschule zu erhalten wohl ein geschichtliches Recht ist.
      Diese Entwicklung spiegelt die Daten wieder, die wir über die Bucher und Karower Schule hier festlegen möchten.
      Von den ersten Küstern der Reformationszeit wissen wir nichts.
      In dem Verzeichnis der Küster der Kirchen von Buch und Karow“, welches Pfarrer ULRICI bis 1758 aufgestellt hat, steht obenan Bartholomäus AUGUSTIN († 3. November 1605), dem wir die Aufzeichnung der Gehöfe im Jahre 1598 vor der Pest verdanken. (S. 48.)
      Diesem folgten 5 Glieder der Küster- und Lehrerfamilie Koch, von denen wir (S. 71 ff.) berichteten, und zwar
Bartholomäus KOCH, Garnweber aus Freienwalde von 1606-1640. Er hat die Leiden des Dreißigjährigen Krieges auskosten müssen.
      Tobias KOCH, des vorigen Sohn, von 1640-1671, zu dessen Zeit das erste Küsterhaus neben Kirche und Pfarrerhaus erbaut sein muß.
      Bartholomäus KOCH, des vorigen Sohn, von 1671-1716. Er starb 82 Jahre alt. Ihm zur Unterstützung war 1696 sein Sohn Bartholomäus beigegeben, welcher die Küsterei in Karow vertrat und ihre Einkünfte bezog.
      Dieser Bartholomäus KOCH war von 1716-1742 Küster von Buch und Karow und starb am 10. August 1742 an einem Schlagfluß unter den früher erzählten Umständen.
      Sein Sohn Johann Friedrich KOCH, dem Vater seit 1739 adjungiret“, wurde von der Seuche des Fleckfiebers am 5. Mai 1758 hingerafft. (S. 113.) Unter ihm war wohl um 1750 die Küsterei auf die andere Seite der Dorfstraße, an die Ecke der Dorfaue und Karower Straße verlegt worden.
      Es folgte Johann Ludwig STROACKER, des Rübnitzer Küsters Sohn, von 1758-1775 (?), und dann Johann Nathanael Friedr. BÜRSTENBINDER bis 1808. Unter ihm wurde 1788/9 die von König Friedrich Wilhelm II. Gestiftete Orgel in der Kirche eingebaut. Während die früheren Küsterlehrer den Gemeindegesang mit ihrer Stimme leiteten, also Kantoren, Vorsänger im wahren Sinne des Wortes waren, wurde nun BÜRSTENBINDER der erste Bucher Organist.
      Der folgende Küster Karl Gottlieb KOLLBERG erhängte sich am 7. November 1826 in einem Anfall von Wahnsinn und hinterließ die Gattin mit 7 Kindern.
      Es fällt auf, daß mit Ausnahme des ersten Bartholomäus KOCH, des Leinewebers, bei den übrigen Bucher Küsterlehrern kein Handwerk genannt wird, und daß sie meist Söhne von Küsterlehrern waren und bereits vorher eine Küsterschule verwaltet hatten. Dank des Küstereinkommens von Buch-Karow, wie wir es im Visitationsprotokoll von 1541 kennen lernten, war die Bucher Schule in der Auswahl und Beständigkeit der Lehrer besser gestellt als die Schule in Karow.
      Dort scheint noch im 17. Jahrhundert sehr unregelmäßig Schule gehalten worden zu sein. In den häufigen Vakanzzeiten besuchten die Kinder die Bucher Schule. Bei der geringeren Lehrbefähigung der Karower Schulmeister“, die fast ausschließlich als Handwerker, meist Schneider, bezeichnet werden, gingen noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts die größeren Kinder nach Buch zur Schule.
      Als Älteste Caroische Schulmeister“, die nur die niederen Küsterdienste neben der Schule verwalteten, werden von ULRICI aufgeführt:
      Matthäus BEEDEMANN, Schneider, 1660.
      Melchior HENDEL, Schneider und Kossät, 1669-75.
      Georg SEMKE, Schneider 1675, zieht nach Buch und wird Krüger“.
      Joachim BEERBAUM, Schneider, bis 1689, da er nach Buch zieht und Krüger wird“. Zu seiner Zeit wurde 1686 das Schulhaus am Kirchhof, vielleicht zum Teil auf dem Platze des alten Pfarrhofes, gebaut. (S. 52.)
      Martin SCHULTZE, Schneider, 1692-95.
      Christoph KRAFFT, Schneider, 1697-1712, 1719-1727.
      Andreas KRAFFT, Schneider, 1712-1719.
      Der einzige, der kein Handwerk betrieb, Johann Christoph SEIDEL, mußte Karow bald verlassen, denn er hat keine Proffession und also keine Subsistenz“.
      Christian HENICKE, Leinweber, 1729-1759.
      Johann George JÃNICKE, 1760 - ?
      Ludwig KOCH,   1794; Karl Wilhelm KOCH, +1813.
      Daniel TROSE, Schneider, 1814.
Endlich 1819 wurde der Karower Schule ein feminaristisch vorgebildeter Lehrer zuteil in Karl Friedrich August HAUFFE, eines Schneiders Sohn, der erst des Vaters Handwerk erlernt, dann aber das Potsdamer Lehrerseminar besucht hatte. Um ihm, seiner besseren Vorbildung entsprechend, ein höheres Einkommen zu sichern und auch zur Hebung des kirchlichen Lebens wurde nun die ganze Karower Küsterei von der Bucher losgetrennt und dem Schulmeister HAUFFE übertragen. Dieser starb bereits 1829.
      Sein Nachfolger Karl Ludwig Emanuel FISCHER (1829-35) wanderte nach Amerika aus.
      Mit W. A. GIESE, der auch das Potsdamer Seminar besucht hatte, wird endlich der Karower Schule die so nötige Beständigkeit zuteil. Diese hat von 1835 bis 1. Oktober 1880, also 45 Jahre, das Küsterei- und Schulamt verwaltet. Er wurde der erste Karower Organist, da auch die Karower Kirche endlich 1859 eine Orgel erhielt und zwar ein Positiv ohne Pedal. GIESE hat noch bis in sein Alter Seidenraupenzucht betrieben, woran uns der letzte Maulbeerbaum auf dem Kirchhof erinnert. (S. 127.)
      Das alte Schulgebäude genügte nicht mehr den wachsenden Bedürfnissen eines aufblühenden Berliner Vorortes. Oktober 1881 wurde das neue Schulhaus auf der Stelle des alten, zu welchem die Kirchgemeinde ein freiwilliges Geschenk von 2000 Mark und ein 4 % Darlehen von 9000 Mark aus der Kirchenkasse hergegeben hatte, als ein evangelisches Schulhaus geweiht.
      Nach einer kurzen Tätigkeit des Lehrers Heinrich BÄR (1881-83) trat Lehrer Wilhelm KOPELMANN am 1. April 1883 das Karower Küster- und Schulamt an, welches er bis 1920, also 37 Jahre, in Treue verwaltete. In dieser Zeit wurde infolge der 1898 entstandenen Kolonie der Ausbau der Schule eine zwingende Notwendigkeit. 1907 wurde ein zweites Stockwerk aufgesetzt. Während dieses Baues wurde der Unterricht in der Kirche gehalten. 1908 mußte eine zweite, 1920 eine dritte Lehrstelle begründet werden.
      Der Weltkrieg griff auch in das Schulleben ein. Da der zweite Lehrer, Paul MÃ-HR, ins Feld mußte, wurde zeitweilig von dem ergrauten, aber noch geistig regsamen Kantor KOPELMANN allein Halbtagsschule mit 115 Kindern gehalten. KOPELMANN hat in der Schulchronik ein ins Einzelne gehendes Bild namentlich der wirtschaftlichen Nöte des Krieges gegeben, das vielleicht in späteren Jahren wichtig sein wird! Er trat 1920 in den wohlverdienten Ruhestand. Am 2. Oktober 1927 konnte er in seltener Frische an der Seite seiner treuen Lebensgefährtin das Fest der goldenen Hochzeit feiern, mit kirchlicher Einsegnung unter zahlreicher Beteiligung der Gemeinde, der er 44 Jahre als Lehrer treu gedient und noch heute als Kirchenältester viel bedeutet.
      Ihm folgte im Kirchen- und Schulamt am 1. Oktober 1920 der Kantor und Hauptlehrer Paul MÖHR. Mit diesem zusammen wirken an der nunmehr vierklassigen Schule Lehrer JAHN und die Lehrerin Irma DANTZIGER.
      1920/21 fand die Auseinandersetzung bezüglich des Küsterei- und Schulvermögens von Karow statt, 1922 die Abtrennung der niederen Küsterdienste vom Kirchenamt. Die Vereinigung des Kirchen- und Schulamtes ist bestehen geblieben.
      Die Bucher Schule, deren Geschichte wir mit 1826 unterbrachen, hat in den letzten Jahrzenten infolge der Kolonie und der großen städtischen Anstalten einen umfangreicheren Ausbau empfangen. Jedoch noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfreute sie sich der Stetigkeit einer einfachen, einklassigen Landschule. Ihr standen als Küsterlehrer vor:
      1826-1839 Johann Ludwig JORDAN.
      1840-1884 Karl SIMON.
      1884-1909 Albert FIELITZ. 1886 wurde auf der alten Stelle ein neues, massives Küstereigebäude mit einer Schulklasse eingerichtet.
      1909-1920 Hauptlehrer Ernst FREESE.
      Bereits unter Kantor Fielitz war Buch derart gewachsen, daß 1903 auf dem Küstereiacker jenseits des Bahnhofes ein neues Schulgebäude zunächst Raum für zwei Klassen schaffen mußte. Schon 1908 wurde ein Erweiterungsbau für zwei weitere Klassen und 1914/15 ein Anbau mit 4 Klassen und 2 Lehrerwohnungen erforderlich. 1905 wurde eine zweite Lehrerstelle, 1908 eine dritte begründet.
      Durch den Weltkrieg wurde auch die Bucher Schule in Mitleidenschaft gezogen und ihr Aufstieg aufgehalten. An der Kampffront standen der Hauptlehrer FREESE, die Lehrer LANGE, DEEGENER und MERKEL. Die beiden letzteren mußten das Los der Kriegsgefangenschaft, jener in Frankreich, dieser in Sibirien auskosten. Doch kehrten sie alle vier in ihren Bucher Schuldienst zurück. Nach Friedensschluß begann ein reges Schulleben. Der Schulverbandsvorstand stellte 1920 einen Schularzt und einen Zahnarzt an. Um der Unterernährung entgegenzuarbeiten, richtete er eine Quäkerspeisung ein, bei welcher durch Mitglieder der Bucher Frauenhilfe täglich 80 Mahlzeiten ausgeteilt wurden. Auf Anregung der Ev. Schulgemeinde“, des 1919 zur Erhaltung der christlichen Volksschule begründeten Elternbundes, wurde seit 1920 der Plan, auf die Grundschule eine Mittelschule aufzubauen ernstlich verfolgt. Zur Durchführung dieses Planes wurde Hermann AMBELANG, Hauptlehrer in Schönfließ, als Rektor berufen.
      Ein Sonderkursus von 23 Kindern für Französisch, Deutsch und Rechnen wurde eingerichtet, Oktober 1920 die erste Mittelschulklasse und Ostern 1921 die zweite geschaffen. - Doch nicht lange sollte die Freude an der Aufbauschule währen. Das Bezirksamt Pankow, zu dem unserer Schulen seit der Eingemeindung gehören, machte einen Strich durch unserer Bucher Wünsche und Hoffnungen und löste am 1. Oktober 1922 die Mittelschulklassen auf. Hoffentlich erlebt der gute Gedanke in absehbarer Zeit eine Auferstehung!
      Noch andere, eingreifende Änderunngen brachte die Nachrevolutionszeit mit sich: unmittelbar nach dem Umsturz hob der Kultusminister Adolf HOFFMANN, der 10-Gebote-Hoffmann“ genannt, die Ortsschulinspektion auf, welche bisher herkömmlich in Buch und Karow von dem Pfarrer im Auftrage des Staates ausgeübt wurde.
      Da die Verbindung der Bucher Küsterei mit einer Lehrerstelle je länger je mehr für Kirche und Schule hemmend wirkte, wurde 1919/20 die Vermögensauseinandersetzung zwischen Kirch- und Schulgemeinde vollzogen und so die Trennung beider Ämter möglich gemacht. Leider ist, wie so manches in der Revolutionszeit, auch diese wichtige Sache Überstürzt worden. So wurden Acker, Wiese und Roggenrechte halbiert, altes Küstereigentum, das nach heutiger Rechtsauffassung und laut Reichsgerichtsentscheidung vom 18. Juni 1925 ungeteilt der Kirchengemeinde hätte zugesprochen werden müssen. Denn daß die Kirche bisher für die Schule zum Besten der Volksbildung Lasten getragen, darf ihr nicht für alle Zukunft zur Last gelegt werden da, wo das Verhältnis zwischen Kirche und Schule zwecks nötiger Verselbständigung der Schule gelöst wird.
      Diese Auseinandersetzung hat der Kirchgemeinde doch wenigstens den Vorteil gebracht, daß sie nun frei über das alte Küstereigehäft mit Garten verfügen konnte, einmal zur Einrichtung einer Vorderwohnung für einen Kirchendiener, der die niederen Küsterdienste verrichtet (seit Juli 1922), sodann, um die übrige Vierzimmerwohnung, nachdem der Organist FREESE Januar 1923 als Hauptlehrer nach Blankenburg gezogen war, einem Schüler der Akademie für Kichen- und Schulmusik, der nun das Organistenamt verwaltete, einzuräumen.
      Der erse Träger des vom Schulamt freien Organistenamtes, Hermann HORENBURG aus Thüringen, hat in Gemeinschaft mit seinem Studiengenossen Ortwin v. HOLST, mit dem er die Wohnung teilte, durch künstleriches Orgelspiel und Leitung des 1923 neugegründeten Kirchenchores (sein Stiftungsfest Kantate 1923) zur Pflege der Kirchenmusik und Hebung unserer Gottesdienste wesentlich beigetragen. Seit Oktober 1925 setzt der Hochschüler Alfred SEEFLUTH aus Ploen diese Bemühungen mit bestem Erfolge fort.
      Ein weiterer Gewinn des von der Schule unabhängigen Organistenamtes, welches angehende Orgelkünstler und -kenner verwalten können, ist darin in die Erscheinung getreten, daß unserer alte Wagnerorgel nicht mehr als alter Klapperkasten“ Gnadenbrot auf Abbruch erhält, sondern mit ihrem Silbermannschen Ton in ihrer alten Schönheit wiederherzustellen (S. 186.) Nun ist unser Orgelspiel oft eine wahre Erbauung und Erhebung, und hat die alte Holzorgel unter Sachkennern eine gewisse Berühmtheit erlangt. -
      Schließlich brachte die Eingemeindung in Groß-Berlin den Schulgemeinden die Auflösung der Schulvorstände und die Unterstellung des Schulwesens unter die Schuldeputation des Bezirksamts XIX in Pankow. Bietet auch diese Wandelung mache Vorteile großzügiger Behandlung vieler Schulfragen, so ist doch die Berücksichtigung örtlicher Verhältnisse, Bedürfnisse und Wünsche manchmal erschwert.
      Ein klein wenig Mitbestimmungsrecht der Elternschaft ist uns nur geblieben in den Elternbeiräten, die das erstemal im Frühjahr 1920 gewählt wurden. Da die Elternratswahlen von gewissen politischen Parteien dazu benutzt wurden, der religionslosen weltlichen Schule den Weg zu bereiten, war es Pflicht der Kirchengemeinden, für die Erhaltung der christlichen bzw. evangelischen Volksschule kräftig einzutreten. Zu diesem Zwecke bildeten sich 1920 als Elternbund in Buch und Karow Evangel. Schulgemeinden“. Diese nahmen die Vorarbeit für die Elternratswahlen in die Hand und erreichten es – trotz heftiger parteipolitischer Gegenagitation -, daß die unpolitische christliche Liste (in Buch 130 Stimmen) gegenüber den sozialistischen Listen (in Buch 110 Stimmen) die Mehrheit der Stimmen erhielt. Bei den Neuwahlen 1920 gaben in Buch 197 für die christliche Liste und 93 für die sozialistische Liste ihre Stimme ab. 1924 war das Verhältnis 166 : 83. - 1926 erreichte die christliche Liste 4 Mandate, die sozialistische 2 Mandate, die kommunistische 1 Mandat. In Karow war das Verhältnis noch günstiger für die christliche Schule.
      Während dort Befreiungen vom Religionsunterricht nur selten vorkommen, waren sie anfangs nach der Revolution in Buch recht zahlreich. 1922 waren es 54 bei 347 Schülern, etwa 16 Prozent. Auch hier ist eine Ernüchterung eingetreten: 1925 waren es von 284 Kindern nur noch 20, also 7,04 Prozent, und 1927 von 337 Kindern 13 Befreite, also 3,8 Prozent.
      So hat sich in stürmischer Zeit die Elternschaft von Buch und Karow je länger je deutlicher für die christliche Schule entschieden.
      Die gegenwärtigen (November 1926) Lehrpersonen an der Bucher Schule sind: Rektor Hermann AMBELANG, Konrektor Max MÄNNICH, Lehrer Hans DEEGENER, Adolf EHRHARDT, Karl HOFFMANN, Robert LANGE, Willi LIESEGANG, Hermann PALM, Lehrerinnen Helene DREYOCKER, Helene KULICKE, Gertrud MORITZ.

 

Quelle: Q11


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